19. September 2021

Dr. Schüßler – Arzt aus Leidenschaft

In diesem Jahr jährte sich zum 200. Mal der Geburtstag eines großartigen Arztes, Pragmatikers und Menschenfreundes: Wilhelm Heinrich Schüßler. Er erblickte am 21. August 1821 in Bad Zwischenahn das Licht der Welt. Im selben Jahr wurde am 17. Mai Pfarrer Sebastian Kneipp geboren und am 13. Oktober der Pathologe und Politiker Professor Rudolf Virchow. Alle drei sind sich im wahren Leben nie richtig begegnet, doch hinterließen sie der Nachwelt drei große Schätze: Die biochemische Heilweise, die Wasserheilkunde und die Erkenntnis, dass eine Zelle die kleinste funk­tionsfähige Einheit im tierischen Organismus darstellt.

Dr. Schüßler, wie ihn die Oldenburger kannten, mit Gehrock, Schiffermütze und Schirm.

Dr. Schüßler, Gemälde 1932 Dr. Madaus

Schüßler wurde in bescheidene Verhältnisse hineingeboren und avancierte durch Fleiß und Klugheit zu einem der bedeutendsten Ärzte der Welt. Weltweit ist seine neugeschaffene biochemische Heilweise nach nahezu 150 Jahren ungebrochen eine der erfolgreichsten und effektivsten Therapiemethoden, um kranke Menschen wieder gesund zu machen. Das war Schüßler seine Absicht und bis zum heutigen Tage hat sich seine Methode, egal bei welchen Erregern und Leiden, profilieren können. Keins der zwölf Schüßler-Salze musste vom Markt genommen werden, denn diese potenzierten Mineralsalze können bei Jung und Alt als auch bei Schwangeren und Babys bedenkenlos angewendet werden. Und das macht gerade in der heutigen Zeit den großen Unterschied. Schüßler wollte, dass sich die Menschen selber helfen können, wenn es ihnen nicht gut geht. Er schuf mit seiner Heilweise eine Volksmedizin, die sich rund um den Globus etablierte.

Als Virchow seine Cellularpathologie 1858 veröffentlichte, eröffnete Schüßler im Alter von 36 Jahren seine Praxis in Oldenburg. Immerhin hat Schüßler Medizin in Paris, Berlin, Gießen und Prag studiert und konnte sich dabei jede Menge Wissen aneignen. Gerade die Homöopathie lag ihm am Herzen und so praktizierte er Hahnemanns Methode auf höchstem Niveau zum Wohle seiner Patienten. Doch manchmal stieß Schüßler mit der Homöo­pathie an Grenzen und veröffentlichte auch manche kritische Schrift dazu.

Die Idee, etwas Eigenes zu schaffen, keimte in ihm nach fast 14 jähriger homöopathischer Tätigkeit auf. Innerhalb von acht Monaten entwickelte Schüßler seine „biochemische Heil­weise“ begründet auf Histologie und Cellularpathologie des großen Berliner Kollegen Virchow. Durch eine Bekanntmachung seiner neuen Therapie 1873 in der ältesten heute noch erscheinenden Medizinerzeitschrift „Allgemeine Homöopathische Zeitung“ hagelte es auf Schüßler Kritik von allen Seiten seiner homöopathischen Kollegen.

Doch Schüßler bekam Schützenhilfe aus dem fernen Amerika. Zwei Hochschulprofessoren namens William Boericke und Willis Alonso Dewey waren von der Idee Schüßlers restlos begeistert und forderten weltweit alle Homöopathen auf, die zwölf Schüßler-Salze im Praxisalltag zu testen und an den Patienten anzuwenden. Nur so könne man überprüfen, ob die Methode hält, was sie verspricht.

Prof. Dr. William Boericke
Prof. Dr. Willis Alonso Dewey
Peter Emmrich (Hrsg.)

Die 12 Schüßler-Salze
Theorie, Materia Medica, Repertorium und Fallbeispiele

Gebunden 17,5 × 24,5 cm,
512 Seiten, 69,95 €


Schüßler hatte erkannt, dass die Ur­sache von Krankheit in einer Ungleichverteilung der Mineralstoffe an der Zellwand liegt und durch regulative Prozesse diese ausgeglichen werden müssen. Dann stellt sich die Heilung wie von selbst ein. Die Mineralien werden in potenzierter Form verabreicht, damit eine Signalwirkung erfolgen kann. Schüßler wusste zur damaligen Zeit noch nichts von Natrium- und Kaliumkanälen, die in der Zellwand vorhanden sind. Das macht ihn als Beobachter und Pionier umso interessanter und bedeutender.

Wenngleich Schüßler von Zeitgenossen als komischer „Kauz“ bezeichnet wurde, so hatte er sein Herz immer auf dem rechten Fleck. Schüßler widmete sein ganzes Leben seinen Patienten. Er blieb unverheiratet und kinderlos, doch wie die neuesten Recherchen ergaben hatte er ein Techtelmechtel mit seiner Hausdame. Wer über die Person Wilhelm Heinrich Schüßler und die wissenschaftlichen Hintergründe der damaligen Zeit Interessantes und Wissens­wertes erfahren möchte, der findet in der neuen Schüßler-Biografie „Arzt aus Leidenschaft“ dazu spannende Informationen.

Schüßler trat weltweit seinen Siegeszug an, nachdem es ihm mit dem Schüßler-Salz Nr. 5 Kalium phosphoricum gelungen war, eine große Anzahl von Kindern vor dem sicheren Diphtherietod zu bewahren. Zu der damaligen Zeit gab es noch keine Antibiotika! Der Heilerfolg überzeugte zu jener Zeit sogar die oberste Gesundheitsbehörde in Konstantinopel, welche daraufhin mehrere seiner Bücher orderte.

In den armen Ländern der Welt hat die Schüßler-Therapie auch heute noch bei Infektionskrankheiten einen hohen Zuspruch. Dort zeigen die Schüßler-Salze das, was moderne Medikamente nicht können: Diese können auch bei einem multiresistenten Keimbefall eine Entzündung zum Abklingen bringen, weil sie die unspezifischen Abwehrkräfte des Organismus via Makrophagen, natürlichen Killerzellen und den Granulozyten stärken, statt wie ein Antibiotikum Bakterien in ihrer Teilung zu hemmen.

Neu erschienen zum 200. Geburtstag:

Peter Emmrich / Prof. Dr. Gert Oomen

Dr. med. Wilhelm Heinrich Schüßler
Arzt aus Leidenschaft – Die Biografie

Auf der Grundlage der wenigen überlieferten Quellen zeichnet dieses Werk ein umfassendes Bild des damals wie heute umstrittenen Mediziners und seiner „Biochemischen Methode“ zu Beginn der naturwissenschaftlich orientierten Medizin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Wilhelm Heinrich Schüßler verkörpert exemplarisch die Zeit des Übergangs der romantischen Naturphilosophie zu einer Medizin, die ausschließlich die neuen Erkenntnisse in Physik und Chemie gelten lassen wollte. Die therapeutischen Hinweise seiner „Biochemischen Therapie“ fanden in weiten Teilen Europas und den USA Beachtung. Daran hat sich bis heute wenig geändert.

Hardcover, Format 14 × 22 cm, 360 Seiten, 28,00 €

Mittlerweile existieren neben den zwölf Grundsalzen von Schüßler 15 sogenannte Ergänzungssalze, um komplexe Krankheitsbilder rasch und erfolgreich zu behandeln. Näheres entnehmen Sie bitte der Neuerscheinung „Praktische Anwendung einer modernen Mineralstofftherapie“.

Dipl. Biologe Peter Emmrich, M.A.,
Facharzt für Allgemeinmedizin,
Pforzheim