15. Januar 2021

6 | Kalium sulfuricum

1898 | Dr. med. Wilhelm Heinrich Schüßler über die Charakteristiken der biochemischen Mittel:

Die schwefelsauren Salze.

Die bei der Oxydation der Eiweißkörper entstehende Schwefelsäure würde die Gewebe zerstören, wenn sie nicht im Zustande des Werdens mit Basen kohlensaurer Alkalien (Kali und Natron), unter Ausscheidung der Kohlensäure, sich verbände.

Schwefelsaures Kali.

Schwefelsaures Kali, welches in Wechselwirkung mit Eisen die Uebertragung des eingeathmeten Sauerstoffes auf alle Zellen vermittelt, ist in allen eisenhaltigen Zellen enthalten.

Bei einem Manco an schwefelsaurem Kali können, je nach Oertlichkeit und Größe des Deficits, folgende Symptome entstehen: Gefühl der Schwere und Mattigkeit, Schwindel, Frostigkeit, Herzklopfen, Aengstlichkeit, Traurigkeit, Zahn-, Kopf- und Gliederschmerzen. Diese Beschwerden verschlimmern sich bei Aufenthalt der betr. Personen in geschlossenen Räumen, in der Wärme und gegen Abend, sie bessern sich in freier, kühler Luft.

Es entstehen Abschuppungen von Epidermis- und Epithelzellen, welche in ihrem Verbande sich gelöst haben, weil sie nicht gehörig mit Sauerstoff versorgt wurden. — Die Abschuppung der Epithelzellen hat Katarrhe zur Folge, deren Secret gelbschleimig ist.

Therapeutisch entspricht das schwefelsaure Kali dem Abschuppungsprocesse, welcher nach dem Ablaufe des Scharlachs, der Masern, der Gesichtsrose ec. sich vollzieht.

Es heilt auch Katarrhe des Kehlkopfes, der Luftröhre, der Augenbindehaut, der Nasenschleimhaut ec., wenn das Secret die oben erwähnte Beschaffenheit hat; auch einen Magenkatarrh, wenn die Zunge gelblich-schleimig belegt ist; ferner Mittelohrkatarrh und Nierenkatarrh.

Das schwefelsaure Kali vermittelt den Zutritt von Sauerstoff und dieser beschleunigt die Bildung neuer Epidermis- und Epithelzellen, durch welche die in ihrem Verbande gelockerten Zellen abgestoßen werden.

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Auch in der unbelebten Natur dienen Sulphate und Eisen als Sauerstoffüberträger. Kommen in der Rinde der Erde gleichzeitig ein schwefelsaures Salz und Eisenoxyd, resp. Eisenoxydul mit in Zersetzung begriffenen organischen Substanzen in Berührung, so geben sie ihren Sauerstoff ab und es bildet sich Schwefeleisen. Dieses kann durch Zutritt neuen Sauerstoffes wieder zerlegt werden, so daß Schwefelsäure und Eisenoxyd oder Eisenoxydul entstehen, welche unter geeigneten Bedingungen wieder Sauerstoffüberträger werden.